Parte von Br. Johannes Wagenknecht

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Br. Johannes (Jürgen) Wagenknecht OSB


Missionsbenediktiner der Abtei St. Georgenberg


26. Juli 1962 – 8. Januar 2021


Unser Mitbruder war am 8. Januar 2021 zu einer Wanderung aufgebrochen und kehrte von dieser nicht zurück. Eingesetzte Suchmannschaften entdeckten den leblosen Körper unterhalb des Felsenklosters St. Georgenberg. Nach Aussage der Polizei war er im steilen, laubbedeckten Waldgelände trotz guten Schuhwerks ausgerutscht und 100 Meter in die Wolfsklamm abgestürzt. Eine herbeigerufene Ärztin konnte nur noch seinen Tod feststellen.

Tiefe Betroffenheit herrscht seit diesem tragischen Ereignis im Konvent der Abtei St. Georgenberg, bei seinen Familienangehörigen und bei den Menschen, die ihn kannten und mit ihm Umgang hatten. Lassen wir zunächst an unserem geistigen Auge das äußere Leben unseres verstorbenen Mitbruders vorbeiziehen:

Br. Johannes wurde am 26. Juli 1962 in Lustenau (Vorarlberg) als zweites von vier Kindern der Frau Maria Wagenknecht (geb. Tabernig) und des Herrn Herbert Wagenknecht geboren. Seine Mutter war Hausfrau und sein Vater Maurerpolier. Er wuchs in der Ortschaft Sulz auf und besuchte die örtliche Volksschule. 1972 wechselte er auf Empfehlung des Volkschuldirektors in das Gymnasium in Feldkirch. 1980 erlangte er die Matura mit ausgezeichnetem Erfolg. Dann folgten Studienjahre der Architektur und Forstwirtschaft in Innsbruck und Wien, verbunden mit Gelegenheitsarbeiten. Einige Jahre war er bei verschiedenen Firmen als Hilfsarbeiter und angelernter Metallarbeiter tätig.

1989 begann er seine Kandidatur in der Benediktinerabtei St. Georgenberg – Fiecht. Nach dem Postulat durfte er am 20. April 1992 unter Abt Edgar Dietel die zeitliche Profess ablegen. Im gleichen Jahr besuchte er einen Einführungskurs für Ordensverwaltung bei der Treuhandgesellschaft Unitas Solidaris in Wien. Im Vertrauen auf Gottes Gnade, Güte und Hilfe legte er unter Prior Administrator P. Dr. Leo Pittracher die ewigen Gelübde ab. Unter ihm begann er seine Arbeit in der Verwaltung bei P. Christoph Puschner. Während der Amtszeit von Abt Anselm Zeller war er einige Jahre als Verwalter (Cellerar) der Abtei tätig und kümmerte sich rührselig um unseren Mitbruder P. Benedikt Vollmann bis zum Tod. Krankheitsbedingt musste er die Aufgabe des Cellerars abgeben und konnte sein begonnenes Fernstudium der Theologie nicht zum Ziele führen.

Nach einer längeren Erholungsphase nahm er bis zu seinem Tod wichtige Aufgaben in unserer Verwaltung wahr. In unserem Wald erledigte er Brennholzarbeiten, was ihm viel Freude bereitete. Neben seinen eigentlichen Tätigkeiten half er auch immer mit, wo er gebraucht wurde, vor allem beim Umzug vom Stift auf den St. Georgenberg. In seiner Freizeit erkundete er die Besitzungen der Abtei und suchte dabei auch alte, nicht mehr eingezeichnete Wege und Steige zu finden und zu gehen. So war er derjenige, der sich im Klosterareal am Besten auskannte und diesbezüglich Fragen beantworten konnte. Manchmal äußerte er den Wunsch, sich in eine Hütte zurückzuziehen und dort ohne jede Annehmlichkeit zu leben, was ihm auch gewährt wurde.

Manchmal zog er sich auch im Alltag weitgehend innerlich zurück, auch wenn er im Umgang freundlich blieb. Auf der Suche nach Gott und seinem Wirken nahm er neben den religiösen Einheiten unserer Gemeinschaft auch an einer Weggemeinschaft der Diözese und einem Bibelkreis teil. Im Umgang mit den Mitmenschen zeigte sich Br. Johannes zugewandt, heiter, freundlich und hilfsbereit. Vor allem schlug sein Herz für die Armen. Dabei merkte er manchmal nicht, wenn er von einer bestimmten Personengruppe ausgenutzt wurde.

Sein heiteres Auftreten und seine unterhaltsame Art täuschten oft darüber hinweg, dass er unter einer Depression litt. Stationäre Krankenhausaufenthalte, Medikamente und eine längere Psychotherapie hatten dazu beigetragen, dass er seinen Alltag gut bewältigen konnte. Schade, dass sein Leben bei einer Wanderung so tragisch endete. Möge Br. Johannes erfahren haben, was Bischof Stecher einmal formulierte: „In keiner Stunde unseres Lebens umarmt uns der Herr inniger als in unserer Letzten.“

Auf das irdische Leben unseres Mitbruders zurückschauend war es „ein Leben in Fragmenten“, das Gott nun ergänzen und vollenden möge. Wir danken ihm, dass er einen großen Teil seines Lebens mit uns „unter der Führung des Evangeliums“ geteilt hat.

Wir feiern für unseren Mitbruder Br. Johannes am Samstag, 23. Januar 2021, um 14.00 Uhr in der Stiftskirche Fiecht das Requiem.

Prior Administrator P. Raphael Klaus Gebauer OSB und Konvent der Abtei St. Georgenberg