Eine Station, ein Kloster in Uganda: Tororo

Die Kongregation von St. Ottilien hat unter den afrikanischen Abteien und Klöstern
aus in Unganda das Bendiktinerkloster Tororo gegründet, das gut gedeiht, in oft schwierigen Situationen

Die Lindenkirche, wie sie sich heute präsentiert

Die Wallfahrtskirche „Maria unter der Linde“ (Lindenkirche)  auf St. Georgenberg

Auf dem St. Georgenberg hat sich als ältestes architektonisches Zeugnis die sogenannte Lindenkirche erhalten, die durch die Jahrhunderte ihres Bestehens seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts eine Abfolge von Umgestaltungen in ihrer Außenansicht wie in ihrem Raumbild erfuhr. Als Prior Administrator P. Raphael Klaus Gebauer OSB mich 2015 bat, Entwürfe für die Innengestaltung der Lindenkirche zu fertigen, stellte sich mir die Frage, wovon ich mich in den Planungen leiten lassen sollte, und welche Akzente zu setzen wären. Diesbezüglich war es notwendig, auf die Geschichte der Lindenkirche zu blicken und daraus ein neues Gestaltungsprogramm zu entwickeln.

Die erste urkundliche Erwähnung der Lindenkirche am Anfang des 13. Jahrhunderts spricht von einer vorhandenen – wohl romanischen – „Kapelle der Mutter Maria“, also von der Gnadenstätte „Unserer Liebe Frau unter der Linde“. Um 1290 wurde nach dem ersten Klosterbrand 1284 der sich zum Teil erhaltene romanische Saalbau errichtet. Nach dem zweiten Klosterbrand 1448, unter dem auch die die Lindenkirche zu leiden hatte, erhielt sie 1475 den heutigen Polygonalchor, statt des vorherigen Tonnengewölbes ein Rippengewölbe und Ende des 15. Jahrhunderts zwei spitz-bogige Fenster sowie zwei gotische Portale nach Süden und Westen, wobei das in der Westwand breiter angelegt ist, um die Zahl der Wallfahrer zu entsprechen. Ihren Turm erhielt sie 1515 / 25. Diese baulichen Maßnahmen über mehr als 300 Jahre lassen zum einen die Lebendigkeit der Wallfahrt und zum anderen den Willen der Abtei erkennen, an der Pflege marianischer Frömmigkeit festzuhalten, die sich in ihrer Gründungssage schon nachweisen lässt, hat doch der Sel. Rathold in der von ihm in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts errichteten Kapelle ein von einer Pilgerreise nach Compostela mitgebrachtes Marienbild aufgestellt.

Wie ihr Patronat und Baugeschichte schon besagen, ist die Lindenkirche zuvorderst ein Ort der Verehrung Mariens. Aber nach dem vierten Klosterbrand 1705, der auch die Lindenkirche nicht verschonte, sprechen die Annalen von der Lindenkirche als „Dreifaltigkeitskirchlein“, welches wieder unter Verzicht des Rippengewölbes aufgebaut und 1755 mit der Kopie des Gnadenbildes vom Sonntagberg in Nieder-österreich, eine Darstellung der Dreifaltigkeit, als Ausdruck des Patroziniums-wechsels ausgestattet wurde.

Nach Entfernung der barocken Ausstattung von 1754 erhielt die  Lindenkirche – das zweite Patronat von etwa 1705 aufgreifend – im Chor 1877 ein neugotisches Flügelaltärchen mit der mittigen Darstellung der Dreifaltigkeit in dem Typus des Gnadenstuhlmotives. Die Innenseiten der Flügel zeigen die hl. Notburga und die hl. Barbara, und mit der Regotisierung 1881 /82 wieder in ihrem Gewölbe ein Rippen-netz.

Die Restaurierung 1970 /71 brachte in den Chor Farbfenster von dem Künstler  Fred Hochschwazer ein, die Szenen aus dem Marienleben zeigen und auf die Geschichte des St. Georgenberges mit den Darstellungen des Sel. Rathold und des hl. Georg verweisen, wodurch die marianische Tradition der Lindenkirche wieder sinnfällig aufgegriffen wurde.

Im Rahmen der Restaurierung 2011 / 14 gestaltete Rupert Messner einen Altar aus Holz samt Priestersitz und Sedilien und Stühle für die Gläubigen. Die Patronate Maria unter der Linde und Dreifaltigkeit sowie der Ort St. Georgenberg galt es, also als Aktzentsetzungen in der mir aufgetragenen Gestaltung aufzugreifen, wobei mir im Blick auf den Ursprung und das hohe Altar der Lindenkirche als Pilgerziel die dort gepflegte Marienverehrung den Vorrang einnahm. Deshalb nahm ich bei meiner zweiten Reise ins Stift Fiecht zur Besprechung meiner Entwürfe eine gotische Madonna – also aus der Zeit, in der die Wallfahrt zur Lindenkirche besonders blühte – aus meinem Besitz mit, um ihr als Stiftung in der Lindenkirche Aufstellung geben zu können. Im Reisegepäck war auch eine Emailarbeit vom verstorbenen Egino Weinert aus Köln mit der Darstellung des hl. Georg, die als Ortsbezug ebenso in die Lindenkirche meinerseits eingebracht werden sollte.

Steht die gotische Madonna nunmehr aus einer Stele – in vergoldeten Stahlstäben geschaffen – im gotischen Chor, eingefasst von den Fenstern mit ihren Glasbildern des Marienlebens und von zwei Standleuchtern, findet sich das Emailbild des Ortspatrons Georg in der südlichen Wandnische beim Haupteingang in einer vergoldeten Stahlplatte als Passepartout. An der Nordwand ist das Retabel mit der Gnadenstuhldarstellung von 1877 ohne Mensa platziert, um das Intermezzo des Dreifaltigkeitspatronats zu bekunden. Seitlich von ihm behielt der Opferstock umfunktionierte spätgotische Säulenfuß seinen angestammten Platz. Es ist auch beabsichtigt, die Kopie des Gnadenbildes vom Sonntagberg in Niederösterreich, das in der Geschichte der Lindenkirche einst eine Rolle gespielt hatte, im Kirchenraum oder in der Sakristei anzubringen. 

Im Chorbogen hängt mittig eine in vergoldeten Stahlstäben geschaffene Kreuzesdarstellung herab, die aufgrund der nach oben hin aufgebrochenen Kreuzarme und in der aufstrebenden Gestalt Jesu Christi über dessen Tod hinaus zugleich auf dessen Auferstehung verweist. So wird zudem eine inhaltliche Brücke zur Krönung Mariens, also zu ihrer Teilhabe an der Auferstehung, geschlagen, die sich im Mittelfenster des Chores erkennen lässt.

An den Seitenwänden haben zwölf in Stahl mit Teilvergoldung gefertigte Wandleuchter für Kerzen ihren Platz gefunden, deren Zahl die Anzahl der Apostel entspricht, die uns Zeugen des Glaubens sind, in dem wir vertrauensvoll auf den für uns gestorbenen und auferstandenen Christus wie aber auch auf seine Mutter Maria blicken – und das an einem Ort, der von diesem Glauben dank der Mönche auf dem St. Georgenberg und der Pilger zum St. Georgenberg durchtränkt ist. Das gilt neben der jüngeren Wallfahrtskirche gerade für die Lindenkirche, für die auch ein Lesepult geschaffen, das in seinem Material und formal dem Altar von 2014 angepasst wurde  und auf dem nunmehr die Heilige Schrift ausliegt. Sobald in ihr seitens der Pilger gelesen wird, entsprechen sie dem Vorbild Mariens, die vielfach als in der Bibel Lesende oder – so im linkenChorfenster mit der Szene der Verkündigung Mariens zu sehen – auf das Wort Gottes Hörende dargestellt wird.

Dass innerhalb der Umfassungsmauer des Kirchengeländes ehemals ein Friedhof angelegt war, bezeugen die wenigen in der Mauer eingemauerten Grabsteine und die noch erhaltenen schmiedeeisernen Grabkreuze außen an der Südwand der Lindenkirche.

Mit meiner Raumkonzeption und den Entwürfen zur Ausstattung von 2016 /19 mit Ihrer Verwirklichung 2019 habe ich versucht, die Geschichte der Lindenkirche und ihre Bedeutung für die Frömmigkeit über etwa 800 Jahre aufzugreifen und in aller Schlichtheit einen Raum entstehen zu lassen, dessen Sakralität spürbar werden lässt und das spirituelle Erbe aktualisiert. Für das diesbezüglich mir entgegengebrachte Vertrauen danke ich  dem Missionsbenediktinerkonvent von St. Georgenberg mit seinem Prior Administrator P. Raphael Klaus Gebauer OSB von ganzem Herzen. Dank ihres Auftrages wurde die Lindenkirche für mich einbesonderer Ort mit mich bewegendem spirituellen Stellenwert in meinem Innern.

                                                                                 Domkapitular em. Dr. Jürgen Lenssen, Würzburg 

In der Lindenkirche kann täglich von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr gebetet, meditiert und besichtigt werden.

Hl. Messen oder Pilgergottesdienste mögen bitte mit dem Wallfahrtspater P. Raphael Klaus Gebauer OSB abgesprochen werden.

Vom 1. Oktober bis 1.November 2019 bist Du / sind Sie zur Mitfeier der Hl. Messe  um 15.00 Uhr herzlichst eingeladen.

P. Prior Administrator und Wallfahrtspater P. Raphael Gebauer OSB

Die Chorkapelle St. Benedikt in St. Georgenberg

Die Rückkehr des Benediktinerkonventes vom Stift Fiecht auf den St. Georgenberg, von dem aus die Mönche 1708 ihr Kloster nach Fiecht verlegten, bedingte dort bauliche Maßnahmen, die auch eine neue Chorkapelle für den Konvent mit einschlossen. In der ersten Etage des von Architekten DI Benedikt Gratl aus Innsbruck errichteten neuen Nordflügels fand sie nach dessen architektonischen Plänen ihren Ort. Prior Administrator P. Raphael Klaus Gebauer OSB und der Konvent  betraute mich 2018 mit der Ausgestaltung dieser Chorkapelle St. Benedikt. Dem Konvent mit seinem Prior Administrator P. Raphael Klaus Gebauer OSB sowie dem Architekten DI Benedikt Gratl möchte ich für das entgegengebrachte Vertrauen und die darauf folgende fruchtbare Zusammenarbeit sehr herzlich danken.

Grundabsicht für meine Raumkonzeption und Entwürfe war, einen Raum entstehen zu lassen, der die persönlichen Prozesse und das geschichtliche Erbe des Konvents wie auch die in ihm gehaltenen Stundengebete und Gottesdienste als die geistliche Quelle schlechthin in seiner Gestaltung aufgreift, in dem durch die Einheitlichkeit der formalen Sprache Ruhe gefunden werden kann und in der in sich materialisierte Verkündigung ist.

Der Raum der Chorkapelle erhebt sich unter einem Satteldach zeltartig auf einem rechteckigen Grundriss mit den beiden östlich  und westlich ausgerichteten Stirnwänden.  Gen Westen öffnet sich die Wand durch ein schmales vertikales Fensterband, das mit jeweiligem kurzen Abstand zum Boden bzw. zur Holzdecke den Blick auf den gegenüberliegenden Berghang samt Lindenkirche frei gibt. 

In diesem Farbfenster wollte ich den Ordensgründer St. Benedikt und zum Prozess seiner Nachfolge als Ordensmann Bezug nehmen. In einer farblichen Entwicklung von unten nach oben gewinnt das Fenster zunehmend an Helligkeit und Transparenz. Dieser Abfolge entsprechen dornengleiche Zeichen, die von der unteren Verdichtung sich nach oben hin zunehmend auflockern. Sie stehen für den von inneren Auseinandersetzungen und vom Ringen geprägten Entscheidungsprozess dessen, der sich auf ein Ordensleben einlassen möchte.

In diesem Prozess ist der Mensch auf Hilfe und Beistand angewiesen. Darum bildet das Fenster auch den farblichen Hintergrund für den davor stehenden Tabernakel – in vergoldetem Stahl als Stele ausgeführt -, der aufgrund seiner Transparenz durch die vordere wie hintere Verglasung des Gehäuses den Blick auf den in ihm stehenden Kelch (aus der Töpferei der burgundischen Benediktinerabtei La Pierre-qui-Vire) mit der konsekrierten Hostie sowie auf das Farbfenster frei gibt, in dem eine geöffnete Hand als Ausdruck innerer Haltung und Bereitschaft zur Christusnachfolge sichtbar wird. Darum wurde aufgrund der Transparenz des Allerheiligsten auf das Ewige Licht, dem Zeichen für die Gegenwart Gottes verzichtet. Darüber sind im Fenster ein Hirtenstab und ein Buch als Verweis auf den Hl. Benedikt und als Ausdruck der Abklärung der Entscheidung, ihm unter Abt und seiner Ordensregel zu folgen und zu leben, sichtbar. Die zunehmende Helligkeit des Fensters lässt das Licht der Klarheit und der im Entscheidungs-prozess gefundenen Fülle des Lebens schauen.

Zugleich lässt der Blick durch das Fenster die Lindenkirche erkennen, die in ihren Fundamenten ins 13. Jahrhundert zurückreicht und als Marienkirche der Wallfahrt auf den St. Georgenberg diente. Dadurch wird auch der Bezug zu der um 1200 beginnenden Aufgabe des Klosters, die Wallfahrt zu betreuen, geschaffen.

Auf der gegenüberliegenden Stirnwand erhebt sich in den Maßen des Fensters ein vergoldetes, von der Wand abgesetztes Band, auf dem  ein  in vergoldeten Stahlbändern ausgeführtes Kreuz aufliegt, dessen Mitte der Rahmen für die zu Beginn des 13. Jahrhunderts in Limoges geschaffene Kupferplatte mit der Darstellung des Gekreuzigten samt Assistenzfiguren Maria und Johannes, eine besondere Kostbarkeit, bildet.

Vor diesem Kreuz erhebt sich der Ambo, bezugnehmend zum Pauluswort:  „Wir aber verkündigen den Gekreuzigten.“ Wie der Ambo ist auch der mittig stehende Altar in vergoldeten Stahlstäben mit einer Holzplatte ausgeführt, beidseitig von jeweils einem ebenso gefertigten Stahlleuchter.

Unter dem Altar steht auf dem Boden ein Reliquienschrein, der in sich  teile des großen Reliquienbestandes der Abtei birgt, u.a. vom Sel. Bischofs Hartmann von Brixen (ein Freund des ersten Abtes Eberhard, dem er auch die romanisch geschnitzte elfenbeinerne Krümme seines Hirtenstabes schenkte.) Der berühmte Hartmannstab wird noch heute im Benediktinerkloster St. Georgenberg aufbewahrt.

Über dem Altarraum und dem Chorgestühl hängt von der Decke ein im vergoldetem Stahl ausgeführter Radleuchter herab, der in seiner Kreisform sowie durch die zwölf angedeuteten Tortürme in der Tradition der romanischen Radleuchter steht und gleich ihnen auf das Himmlische Jerusalem verweist.

Das Chorgestühl selbst ist aus heimischen Holz in sehr einfacher Form ge-schaffen. Diese Einfachheit der menschlichen Sitze steht im Gegenüber zu den Vergoldungen der Ausstattungsstücke, die über sich hinaus auf Christus verweisen, sei es in ihrer Symbolik, sei es in der liturgischen Nutzung.

Ein Priestersitz wurde bewusst nicht geschaffen und aufgestellt. Das soll anschaulich machen, wie sich bei den Mönchen Leitung und Vorsitz aus der Gemeinschaft heraus ergibt. Ob das ein Zukunftsmodell für die gesamte Kirche sein kann? Es ist gewiss ein Zeichen für eine sehr alte Tradition, wie Leitung, Vorsitz und Vorstand bei den Mönchen zurückgebunden sind. Das gilt auch für die vor dem Eingang der Chorkapelle sich erhebende Stele für das gläserne Weihwasserbecken zum Taufgedächtnis.

Domkapitular em. Dr. Jürgen Lenssen, Würzburg

Geistliche Begleitung

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Spirituelle Lebensbegleitung  und Beratung auf der Grundlage christlicher Spiritualität

Du musst nicht aushalten, was über deine Kraft geht und Dich verkümmern lässt.

Du musst nicht ausharren neben einem Menschen, der dich wieder und wieder verletzt.

Hab Acht auf Dich.

Brich auf.

Geh deinen Weg.

Der Friede Gottes lege sich auf alles, was verwundet ist in Dir, dass Du nicht zerbrichst, sondern Kraft gewinnst, Dir neue Lebensräume zu erschließen.

Lass Deiner Seele Zeit, Verlorenes zu beweinen.

Alles, was Du in Dir fühlst, will durchlebt sein:

Angst und Wut, Trauer und Empörung, Unsicherheit und Entschlossenheit.

Alles gehört zu Dir, ist Zeichen Deines Lebendigseins.

Auch wenn die Angst widerspricht:

Der Tag wird kommen, da Du befreit aufatmen wirst.

Du gehst auf ihn zu mit jedem Schritt, den Du tust.

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das normale und alltägliche Leben

aufmerksam wahrzunehmen,

den persönlichen Weg zu erkennen,

bewusst zu gestalten,

ihn aufrichtig zu gehen.

Die Form der Begleitung:

Einzelgespräche in regelmäßigen Abständen.

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Beichte oder Supervision.

Absolute Verschwiegenheit

über den Inhalt der Begleitgespräche ist selbstverständlich.

Geistliche Begleitung

ist ratsam, wenn

  • ich in mir Sehnsucht, Unruhe und Unzufriedenheit spüre, die ich nicht benennen kann.
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  • ich mich müde, lustlos und ausgebrannt fühle.
  • ich eine neue Orientierung brauche.
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  • ich spüre, dass etwas in mir reif wird und nicht daran vorbeigehen möchte.
  • mein Kinderglaube an seine Grenzen gekommen ist, und ich anschauen möchte, wie es weitergeht.

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Prior-Administrator 
P. Raphael Klaus Gebauer OSB
Benediktinerkloster u. Wallfahrtsort
St. Georgenberg 181
6135 Stans

Tel.: 05242 / 63786 – 19

e-mail: raphael@st-georgenberg.at

Impressionen vom 8.September 2019

Predigt von Bischof Hermann Glettler 8.9.2019

Predigt von Bischof Hermann Glettler zur Einweihung des Klosters St. Georgenberg

8.9.2019

Lesung: Weish 9,13-19; Evangelium: Lk 14,25-33

Die Benediktinermönche von Fiecht gingen nun definitiv an den geistlichen Ursprungsort ihres Stiftes zurück. Ausschlaggebend für diesen Schritt waren  nicht nurwirtschaftliche Überlegungen und die Tatsache, dass der Konvent zahlenmäßig sehr klein geworden ist. Mit dem Rückzug auf den St. Georgenberg wird ein geistliches Zentrum gestärkt, bzw. in neuer Weise aufgebaut. Die ursprüngliche Eremitenklause, die 1138 zur Benediktinerabtei erhoben wurde, gehört ja ohnehin schon seit Jahrhunderten zu den stärksten Wallfahrtsorten Tirols. Der Rückzug auf den Berg hat eine symbolische Strahlkraft und Radikalität, die sich auch in den Texten des heutigen Sonntags finden.

Der heilsame Rückzug

Um 950 hat der selige Rathold in der Schlucht des Stallentales auf einem Felsvorsprung für sich und eine kleine Gemeinschaft von Eremiten ein Kloster errichtet. Er hat die exponierte Lage gewählt, um einen Ort zu haben, der die frei gewählte Einsamkeit unterstützt und der Radikalität der Berufung entspricht – Alles zurücklassen und in die Fußspur Jesu einsteigen, wie es im heutigen Evangelium heißt. Knapp 200 Jahre später nahm die Klostergemeinschaft die Regel des Hl. Benedikt an. Kloster und Kirche wurden mehrfach von Bränden zerstört und immer wieder neu errichtet. Nach dem großen Brand von 1705 entschloss sich der Orden nach Fiecht hinunterzugehen.

 1733 wurde das ehemalige Kloster am Berg als Wallfahrtshospiz wiederaufgebaut. St. Georgenberg ist ein geheimnisvoller Anziehungspunkt geblieben. Das Romantische und Rohe der Natur hält sich hier gut die Balance. Der Rückzug der Benediktinermönche an ihren Ursprungsort ist mit Sicherheit keine Weltflucht und auch nicht die Wahl von einem komfortablen Leben – wenn auch das umgebaute und sanierte Felsenkloster eine zeitgemäße, ästhetisch ansprechende Gestalt bekommen hat. Es hat Signalwirkung. Viele Menschen unserer Zeit machen sich auf den Weg. St. Georgenberg ist das Ziel für einen heilsamen Rückzug. Ausschlaggebend kann eine Lebenskrise sein, die zu einer Unterbrechung drängt. Es kann der Wunsch nach Klarheit sein, weil eine wichtige Entscheidung ansteht. Es kann die Hoffnung auf Versöhnung sein, weil sich Schuld nicht einfach weg reden lässt. Oder es ist einfach der innere Antrieb, Gott für die Größe und Schönheit des Lebens zu danken. Kaum wo anders ist das intensiver und befreiter möglich als auf einer Anhöhe, deren sakrale Markierung schon Jahrhunderte alt ist. 

Die Botschaft der Berge

Religionsgeschichtlich spielen Heilige Berge eine große Rolle. Auch im Leben Jesu. Immer wieder zog sich Jesus auf den Berg zurück, um zu beten – er wollte mit seinem Vater allein sein. Diese Verbundenheit mit seinem Ursprung war sein Lebensgeheimnis. Es sind drei „Berge“, die im Evangelium eine entscheidende Rolle spielen. Auf ihnen, bzw. von ihnen her hat die Kirche begonnen. 

Am Berg der Seligpreisungen verkündete Jesus die Magna Charta seines Lebens und seine Vision vom Reich Gottes. Alle Heilig-Land Pilger wissen, dass die Anhöhe unmittelbar am See von Galiläa nicht als Berg zu bezeichnen ist. Nicht die geographische Verortung ist entscheidend, sondern der Hinweis auf den Berg Sinai. Dort wurde das Gesetz durch Mose gegeben, hier verkündet Jesus die Neue Botschaft. Sein Programm ist tröstend und revolutionär zugleich. Nicht die Mächtigen, sondern die Ausgegrenzten, Trauernden und Barmherzigen werden glückselig sein. Dieses Leitwort ist eine befreiende Alternative zu allen Ansagen von Gewalt und Verdrängung.

Am Berg Tabor hat Jesus drei ausgewählten Jüngern in einer überwältigenden Schau das lichtvolle Geheimnis seiner Person erleben lassen. Sie durften eintauchen in das Geheimnis der Gegenwart Gottes. Die Verklärung Jesu ist keine äußerliche Show. Wer an ihn glaubt, wird von ihm verwandelt. Ja, wir haben es nötig, dass die vielen Bereiche der Dunkelheit in uns vom Licht Jesu aufgedeckt, durchdrungen und verwandelt werden. Der dritte „Berg“ im Evangelium ist der Hügel außerhalb der alten Mauern von Jerusalem. 

Am Berg Golgotha wurde Jesus als gottverlassener Verbrecher hingerichtet. Die erlittene Gewalt hat er durch Liebe überwunden. Auf diesem Berg wurde die Todesspirale abgründiger Bosheit und Vergeltung durchbrochen. Versöhnung und Neubeginn sind möglich. Das Leben hat gesiegt.

Auftrag und Sendung

Fünf Mönche der Missionsbenediktiner, deren Kongregation seit 1967 im Stift Fiecht lebt, werden nun hier am St. Georgenberg wohnen. Zwei Brüder sind aufgrund von Alter und Gebrechlichkeit im barocken Stift geblieben. Das Kloster auf dem markanten Felsvorsprung wird in neuer Weise ein Ort des Gebetes und der Gastfreundschaft im Sinne des Hl. Benedikt sein. Auch Zimmer für Gäste sind vorhanden. Der geistliche Dienst der Mönche für alle Gläubigen und Suchenden, die hierher kommen, ist von großer Bedeutung: Es ist das verlässliche Psalmengebet und die Feier der Eucharistie, stellvertretend für viele, die in der Nervosität unserer Zeit nicht zur Ruhe kommen. 

Es ist das Angebot einer geistlichen Begleitung, die man hier wahrnehmen kann, und das Sakrament der Versöhnung. Gerade das Letztgenannte kann eine unerwartete Befreiung und Entlastung schenken – auch wenn vielen die Praxis der Beichte abhandengekommen ist. Es ist einen neuen Versuch wert. Alle, die am St. Georgenberg für sich eine ruhige Zeit gesucht haben oder anlässlich einer offiziellen Wallfahrt an diesen Ort der Gnade gekommen sind, gehen beschenkt und gesegnet nach Hause. Das ist eine vielfach bestätigte Tatsache. Das Erfreuliche und Abgründige von uns Menschen hat hier Platz. Nichts muss verdrängt oder als Last einsam getragen werden. Die schmerzensreiche Mutter vom St. Georgenberg, dargestellt in der gotischen Pieta, nimmt die Gebete der Pilger entgegen. Auch die fragmentierten oder unfrommen Gebete kommen an. Maria, die Mutter Jesu, vermittelt einen Trost, der sich schwer in Worte fassen lässt. Sie hält und verweist uns auf ihren Sohn, der auf den drei Bergen des Evangeliums sein Herz gezeigt hat – am Berg der Seligpreisung, der Verklärung und Versöhnung. Der Segen Gottes möge auch in Zukunft von diesem exponierten Ort ausgehen und die Gesegneten werden selbst zum Segen – in allen Höhen und Niederungen des alltäglichen Lebens.

Festakt Einweihung neue Kirche Georgenberg 3.8.2019

Nun ist es soweit! Nach einer Bauphase von etwas über einem Jahr ist St. Georgenberg wieder ein Benediktinerkloster, wie Jahrhunderte zuvor, seit der Gründung. Abtprimas Jeremias Schröder weihte die neue Kapelle am 3. August, 10 Uhr ein, unter Beteiligung einiger Äbte, Seelsorger, H.H.Jakob Bürgler als Diozesanvertreter und eine Reihe Gäste, die im neuen Chorgestühl Platz nahmen.

Hier einige Bilder aus der Feier der Altarweihe:

Abtpräses Jeremias und Studenten

Abtpräses Jeremias OSB  und die außereuropäischen Studenten unserer Kongregation, die in Europa studieren und in den verschiedenen Klöstern unserer Kongregation wohnen.

Abtpräses Jeremias Schröder OSB: Rede bei der Übernahme 28.6.2018

1. Ansprache bei Festakt zur Übergabe des Stiftsgebäudes von Fiecht

28. Juni 2018 von Abtpräses Jeremias Schröder OSB

Da P. Raphael die Anwesenden schon ausführlich vorgestellt hat, darf ich Sie und Euch kollektiv ansprechen mit einem einfachen:

 Liebe Festversammlung!

Schon vor dem folgenreichen Beschluss des Konventes vom 30. Mai 2016 und erst recht danach war ich immer wieder hier. Prior Administrator P. Raphael bat mich, das zu begleiten, was hier von den Mitbrüdern und unseren Beratern vorbereitet und vorangebracht wurde: die Übergabe des Stiftskomplexes an einen neuen Eigentümer, die heute erfolgt, und die noch bevorstehende Rückkehr des Konventes auf den St.-Georgenberg.

Es ehrt mich, dass P. Raphael mich gebeten hat, mit ein paar Worten zu umreißen, was das alles für uns bedeutet. Anders, als das sonst üblich ist, möchte ich meinen Dank nicht am Schluss aussprechen, sondern mit einer Danksagung beginnen. Mir scheint das ein gut katholischer Ansatz: zu allererst einmal anerkennen wir, dass wir nur durch die Gnade Gottes irgend etwas erreichen können. Und wir bekennen, wofür wir wir Grund haben dankbar zu sein, auch gegenüber den Vielen, die uns in den letzten Jahren unterstützt haben.

2. Danken

Zunächst will ich die Entschlussfreude des Konventes loben. Die Mönche von Fiecht waren bereit, in einer schwierigen Situation die Zukunft beherzt in die Hand zu nehmen. Das ist nicht überall so – ich kenne etliche Gemeinschaften, die nicht willens oder auch nicht in der Lage sind, schwere zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen. Veränderungen werden dort nurmehr erlitten, nicht – wie hier –  gestaltet. Das macht mich stolz auf den Fiechter Konvent, aber es ist vor allem auch Grund für Dankbarkeit.

Nach der Entscheidung vor gut zwei Jahren sind wir zunächst an unsere hiesige Diözese herangetreten. Jakob Bürgler, damals der Generalvikar des Bistums Innsbruck, hat aus seiner Kenntnis unserer Lage sehr viel Verständnis aufgebracht für unseren Entscheidungsweg. Das hat ihm durchaus auch Kritik eingetragen. Er hat uns beraten, zu gegebener Zeit auch hilfreiche Angebote gemacht und die Kompetenz seines Mitarbeiterstabs zur Verfügung gestellt. Das war eine beispielhafte Kooperation – wir kennen das auch anders. Auch der neuernannte Bischof   hat, in dem Maße in dem er sich mit der Situationund unserem Vorhaben vertraut machen konnte, unser Vorhaben unterstützt. Dass wir die für eine Veräußerung dieser Größenordnung notwendige Genehmigung des Vatikans in Rekordzeit erhalten konnten, lag wesentlich an der eindeutigen Befürwortung aus dem Innsbrucker Bischofshaus.

Ganz wichtig war stets und bleibt die Zusammenarbeit mit den Kommunen. Mit den Bürgermeistern von Vomp und Stans gab es viele gute Gespräche, die uns halfen, praktikable Perspektiven zu entwickeln. Mein Dank gilt hier besonders auch der Großherzigkkeit, mit der anfängliche Kommunikationsstörungen überwunden werden konnten.

3.

Die Umnutzung eines jahrhundertealten Stiftes hat überregionale politische Bedeutung, und so sind wir sehr früh auf das Land Tirol zugegangen. Im Büro des Landeshauptmanns gab es eine sehr konstruktive Haltung. Ein Zeichen dafür war, dass Entscheidungen rasch getroffen und auch mitgeteilt wurden. Auch das kann man anderswo ganz anders erleben.

Wie die Diözese so sah allerdings auch das Land keine Möglichkeit, diesen bedeutenden Baukomplex in eigener Regie einer neuen Nutzung zuzuführen. Wir mussten uns deshalb auf den freien Markt wagen, bei einem Objekt dieser kulturellen und religiösen Bedeutung durchaus eine heikle Angelegenheit. Ich halte es für einen großen Glücksfall, dass es Prior-Administrator P. Raphael gelang, Diplomingenieur Andreas Falch als Koordinator aller unser Bemühungen zu gewinnen. In den zurückliegenden zwei Jahren arbeitete er unermüdlich an der Entwicklung dieses Projektes. Dazu gehörten eine umfassende Bestandsaufnahme und erste Bewertungsversuche, Beziehungen mit Kaufinteressenten, politischen und kommunalen Verwaltungsebenen, kirchlichen und kulturellen Institutionen.

Fast alle heute hier Anwesenden haben in den vergangen 24 Monaten Kontakt mit Herrn Falch oder seinen Mitarbeitern gehabt. Spürbar war dabei für mich immer wieder, dass Herr Falch nicht nur als kompetenter Immobilienentwickler in Erscheinung trat, sondern auch als Tiroler Patriot, dem es ein erzensliegen ist, dass die Übergabe des Stiftes Fiecht in einer Weise geschieht, die dem Inntal gut tut.

4.

Am wichtigsten wurde für dieses dem Inntal-Gut-Tun der Käufer. Genau heute vor einem Jahr konnte die Abtei einen Letter of Intent mit Dr. Christoph Swarovski abschließen, der die Situation und Bedürfnisse der Klostergemeinschaft wie auch die Interessen der Region beherzigt und inzwischen in einen rechtskräftig unterzeichneten Vertrag überführt worden ist. Über sein Vorhaben wird Dr. Swarovski vermutlich selber gleich sprechen, weshalb ich das nicht ausführen muss. Wir haben ihn bei den vielen Fragen, die in den vergangenen Monaten aufgetaucht sind, immer wieder als einerseits sehr zielstrebig aber auch als sehr respektvoll erlebt. Hilfreich war sicher auch, dass er viele Details dem Verhandlungsgeschick von Dr Nuener überließ, der hier ebenfalls genannt gehört. Das Endergebnis kommt den Erwartungen und auch Befindlichkeiten des Konventes in vielen Punkten entgegen, berücksichtig die berechtigten Anliegen der Öffentlichkeit in punkto Kultur und Denkmalschutz und gibt Dr. Swarovski doch Handlungsfreiheit zur Gestaltung und Nutzung dieses geschichtsträchtigen Raums.

Meine Danklitanei kommt allmählich ans Ende, aber ich möchte doch auch noch einmal erwähnen, wie wichtig es für uns und vermutlich für die meisten hier ist, dass die heutigen Veränderungen die Bedingungen dafür schaffen, dass wir Benediktiner vor Ort bleiben können: Im traditionellen Stammsitz auf dem Georgenberg, in der Region, im Bistum. Gott sei’s gedankt!

5. Bekennen

Nach dem Danken soll aber auch ein Bekenntnis folgen. Denn dass ein Stift nach dreihundert Jahren von den Mönchen freiwillig verlassen wird, ist ja nicht gerade die Krönung einer grandiosen Erfolgsgeschichte. Ich möchte deshalb einige Punkte wenigstens anreißen, die verdienen genannt zu werden und die trotz der positiven Grundstimmung dieses Tages nicht untergehen sollen. Die Rahmenbedingungen für die Existenz des Stiftes als Kloster hier im Tal sind im 20. Jhd. immer schwerer geworden. Das gilt ökonomisch – die sanfte Enteignung des Achensees im Jahre 1919 durch die Stadt Innsbruck sei nur als Beispiel genannt. Das gilt auch landschaftlich. Franz Caramelle schrieb 1985 diesen prophetischen Satz: „Auch das Kloster Fiecht hatte früher große kulturlandschaftliche Bedeutung, heute ist allerdings sein äußeres Erscheinungsbild durch die starke Verbauung seiner Umgebung und die Nähe der Autobahn empfindlich gestört.“ Das hiesige Teilstück Jenbach-Weer wurde 1970 eröffnet.

6.

Drei Jahre zuvor war das alte tirolisch-österreichische Stift Fiecht der Kongregation der Missionsbenediktiner beigetreten – aus einer Verbundenheit mit der Ottilianer Mission, aber auch aus Personalnot. Ich habe gestern die alten Personalverzeichnisse durchgesehen. In den folgenden fünf Jahrzehnten kamen mindestens 21 Mönche für einige Jahre oder fürs ganze Leben hierher, die meisten aus St. Ottilien, aber auch aus Münsterschwarzach, Meschede und Mvimwa. Sie haben vieles aufrechterhalten, anderes neu geschaffen; mit großem persönlichen Einsatz und natürlich auch mit Schwächen, wie in jedem Kloster und jeder menschlichen Gemeinschaft.

Nüchtern muss man aber auch festhalten: Es ist nicht gelungen, genug Tiroler für ein Leben in diesem Kloster zu begeistern. Inzwischen ist der klösterliche Nachwuchs auch außerhalb von Tirol geringer geworden, und die deutschsprachigen Häuser können diese Gemeinschaft nicht mehr so verstärken, wie es bisher möglich war.

Einer der heute Anwesenden hat mir erzählt, wie er vor einigen Monaten mit einem emeritierten österreichischen Bischof auf der Autobahn am Stift vorbeikam. Da entfuhr dem Prälaten: „Wos reden die Ottilianer von Ägypten. Daher sollens die Leit schicken.“

In den vergangenen Jahren habe ich mir diese Frage immer wieder gestellt. Wäre es richtiger, so ein ehrwürdiges Haus wie Fiecht zu erhalten und dafür auf den einen oder anderen Neuaufbruch in unserer Kongregation zu verzichten? Nun, die Antwort wird ja auch mit dem heutigen Festakt gegeben: die Missionsbenediktiner nehmen in unsentimentaler Weise hin, dass ein Klosterstandort auch einmal aufgegeben werden muss. Wir haben das oft genug erlebt. Unser Ziel ist nicht die Aufrechterhaltung eines status quo, sondern die lebendige Weitergabe von Glaube und Mönchsleben. Nur weil wir zulassen, dass einmal etwas zu Ende geht, können wir auch ermöglichen, dass anderswo etwas beginnt.

7.

Ich kann Ihnen aber auch versichern, dass es leichter ist, diesen Satz hier heute zu sagen als ihn im Angesicht der tausendjährigen Klostergeschichte dieses Ortes im eigenen Herzen hin- und herzubewegen. Denn natürlich ist das auch ein schwerer Tag. Zum benediktinischen Leben gehört, so hat man uns gelehrt, eine dreifache Liebe: amor Dei, fratrum, loci. Liebe zu Gott, Liebe zu den Brüdern, Liebe zum Ort. Die Mitbrüder, die heute hier sitzen, geben einen Ort auf, in den sie Jahre und Jahrzehnte ihres Lebens ihre Energie und auch ihrer Liebe hineingesteckt haben. Mein eigenes Bedauern vermag nicht, an die Tiefe dieses Schmerzes zu rühren, der von den Hiesigen tapfer ertragen wird.

8. Hoffen

Auch das soll einmal gesagt werden. Aber mit diesem ernsten Gedanken will ich nicht enden. Auf Dank und Bekenntnis muss – christlich gesprochen – ein Wort der Hoffnung folgen. Und wir verbinden mit diesem heutigen Akt viele Hoffnungen. Erst einmal Hoffnung für Fiecht. Es wird hier nach menschlichem Ermessen gut weitergehen. Diese Stiftskirche wird mit dem heutigen Tag in die Nutzung durch Diözese und Pfarre übertragen; zugleich tritt Dr Swarovski großzügig in die Erhaltungspflichten des Grundeigentümers ein. Hier in diesem Gotteshaus wird weiterhin Litiurgie gefeiert werden, hier wird auch weiterhin ein Ort des Gebetes und des Kunstgenusses sein.

Im eigentlichen Stiftsgebäude erhoffe ich mir Vieles und Großes, vielleicht auch Dinge, auf die wir Benediktiner nie gekommen wären – aber darüber wollte ich ja nicht sprechen: Dr Swarovski kann dazu etwas sagen.

9.

Alle Kulturgüter, die nicht mit auf den Georgenberg gehen, verbleiben hier an ihrem angestammten Ort. Unser Vertragswerk behandelt ausführlich ihre Konservierung und den Zugang zu ihnen. Wir haben in den letzten Monaten durchaus bemerkt, dass es hie und da begehrliche Blicke auf einzelne Objekte gegeben hat. Aber wir – und zwar Kloster ebenso wie Dr Swarovski – sind uns einig, dass diese Kulturgüter in dem Rahmen, in dem oder für den sie entstanden sind, den besten denkbaren Platz haben.

Besonders hoffnungsvoll blicken wir allerdings auf den St. Georgenberg. Er wird wieder, was er einstmals war: Sitz einer ganzen Mönchsgemeinschaft, die dort oben betet und lebt, und für die Pilger und Besucher da ist. Es wird da oben ein anderes Leben sein als hier im Tal, darüber sind sich alle Mitbrüder im Klaren. Einige denken daran mit leichtem Schauder, andere voller freudiger Erwartung. Es ist ein Rückkehr zum Ursprung, und zwar nicht nur geographisch. Da oben werden die Mönche oft unter sich sein, am Morgen und am Abend, und wohl auch wenn der Winter einzieht. Die Mönche auf dem Georgenberg werden etwas von Einsiedlertum des seligen Rathold erleben, und auch etwas von den Ursprüngen des Mönchtums in der Wüste, wie wir es im schon genannten Ägypten auch gerade erleben. Diese Rückkehr ist ein Abenteuer. Es bietet die Chance, dem benediktinischen Mönchtum in Tirol noch einmal ganz neu eine Gestalt zu geben, die aus unseren Wurzeln kommt.

Kürzlich traf ich einen Innsbrucker Theologieprofessor, Dr. Siebenrock, und wir kamen über den Georgenberg ins Gespräch. Er sagte mir etwas sehr Schönes: „Der Georgenberg ist ein Wallfahrtsort für alle Tiroler, egal ob sie gläubig sind oder nicht.“ Wenn es gelingt, diese Offenheit des Georgenberges zu erhalten und weiterzutragen, dann bleibt er ein Gnadenort, auf dem die Benediktiner ihren missionarischen Dienst verrichten.

Das ist so ungefähr mein letzter Gedanke: die Übergabe von Fiecht und die Rückkehr auf den Georgenberg kann dieses Kloster befähigen, noch deutlicher Missionsort zu sein. Die dreihundertjährige Geschichte des Stiftes hier im Tal geht heute als Klostergeschichte zu Ende und beginnt als etwas ganz Anderes neu. Die tausendjährige Geschichte des Gnadenortes auf dem Berg empfängt daraus heute neues Leben.

Jahresheft Christus verkünden 50 Jahre alt

Fünfzig Mal wurde unsere Missionszeitschrift Christus Verkünden gedruckt und verteilt. Wir schicken Ihnen das Heft gerne zu. P. Anselm Zeller konnte das Heft in diesem Jahre frühzeitig fertigstellen. Br. Fidelis ist bereits in Vorarlberg unterwegs. Da seine Gesundheit schwächer wurde, werden wir das Heft teilweise postalisch versenden.