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Die Lindenkirche, wie sie sich heute präsentiert

Die Wallfahrtskirche „Maria unter der Linde“ (Lindenkirche) 

auf St. Georgenberg

 

Auf dem St. Georgenberg hat sich als ältestes architektonisches Zeugnis die sogenannte Lindenkirche erhalten, die durch die Jahrhunderte ihres Bestehens

seit dem Beginn des 13. Jahrhunderts eine Abfolge von Umgestaltungen in ihrer Außenansicht wie in ihrem Raumbild erfuhr.

Als Prior Administrator P. Raphael Klaus Gebauer OSB mich 2015 bat, Entwürfe für die Innengestaltung der Lindenkirche zu fertigen, stellte sich mir die Frage,

wovon ich mich in den Planungen leiten lassen sollte, und welche Akzente zu setzen wären. Diesbezüglich war es notwendig, auf die Geschichte der Lindenkirche

zu blicken und daraus ein neues Gestaltungsprogramm zu entwickeln.

Die erste urkundliche Erwähnung der Lindenkirche am Anfang des 13. Jahrhunderts spricht von einer vorhandenen – wohl romanischen – „Kapelle der Mutter Maria“,

also von der Gnadenstätte „Unserer Liebe Frau unter der Linde“. Um 1290 wurde nach dem ersten Klosterbrand 1284 der sich zum Teil erhaltene romanische Saalbau

errichtet. Nach dem zweiten Klosterbrand 1448, unter dem auch die die Lindenkirche zu leiden hatte, erhielt sie 1475 den heutigen Polygonalchor, statt des vorherigen

Tonnengewölbes ein Rippengewölbe und Ende des 15. Jahrhunderts zwei spitz-bogige Fenster sowie zwei gotische Portale nach Süden und Westen, wobei das in der Westwand

breiter angelegt ist, um die Zahl der Wallfahrer zu entsprechen. Ihren Turm erhielt sie 1515 / 25.

Diese baulichen Maßnahmen über mehr als 300 Jahre lassen zum einen die Lebendigkeit der Wallfahrt und zum anderen den Willen der Abtei erkennen, an der Pflege

marianischer Frömmigkeit festzuhalten, die sich in ihrer Gründungssage schon nachweisen lässt, hat doch der Sel. Rathold in der von ihm in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts

errichteten Kapelle ein von einer Pilgerreise nach Compostela mitgebrachtes Marienbild aufgestellt.

Wie ihr Patronat und Baugeschichte schon besagen, ist die Lindenkirche zuvorderst ein Ort der Verehrung Mariens. Aber nach dem vierten Klosterbrand 1705, der auch

die Lindenkirche nicht verschonte, sprechen die Annalen von der Lindenkirche als „Dreifaltigkeitskirchlein“, welches wieder unter Verzicht des Rippengewölbes aufgebaut

und 1755 mit der Kopie des Gnadenbildes vom Sonntagberg in Nieder-österreich, eine Darstellung der Dreifaltigkeit, als Ausdruck des Patroziniums-wechsels ausgestattet wurde.

Nach Entfernung der barocken Ausstattung von 1754 erhielt die  Lindenkirche – das zweite Patronat von etwa 1705 aufgreifend – im Chor 1877 ein neugotisches Flügelaltärchen

mit der mittigen Darstellung der Dreifaltigkeit in dem Typus des Gnadenstuhlmotives. Die Innenseiten der Flügel zeigen die hl. Notburga und die hl. Barbara, und mit der

Regotisierung 1881 /82 wieder in ihrem Gewölbe ein Rippen-netz.

Die Restaurierung 1970 /71 brachte in den Chor Farbfenster von dem Künstler  Fred Hochschwazer ein, die Szenen aus dem Marienleben zeigen und auf die Geschichte des

St. Georgenberges mit den Darstellungen des Sel. Rathold und des hl. Georg verweisen, wodurch die marianische Tradition der Lindenkirche wieder sinnfällig aufgegriffen wurde.

Im Rahmen der Restaurierung 2011 / 14 gestaltete Rupert Messner einen Altar aus Holz samt Priestersitz und Sedilien und Stühle für die Gläubigen.

Die Patronate Maria unter der Linde und Dreifaltigkeit sowie der Ort St. Georgenberg galt es, also als Aktzentsetzungen in der mir aufgetragenen Gestaltung aufzugreifen, wobei mir

im Blick auf den Ursprung und das hohe Altar der Lindenkirche als Pilgerziel die dort gepflegte Marienverehrung den Vorrang einnahm. Deshalb nahm ich bei meiner zweiten Reise ins

Stift Fiecht zur Besprechung meiner Entwürfe eine gotische Madonna – also aus der Zeit, in der die Wallfahrt zur Lindenkirche besonders blühte – aus meinem Besitz mit, um ihr als

Stiftung in der Lindenkirche Aufstellung geben zu können. Im Reisegepäck war auch eine Emailarbeit vom verstorbenen Egino Weinert aus Köln mit der Darstellung des hl. Georg, die

als Ortsbezug ebenso in die Lindenkirche meinerseits eingebracht werden sollte.

Steht die gotische Madonna nunmehr aus einer Stele – in vergoldeten Stahlstäben geschaffen – im gotischen Chor, eingefasst von den Fenstern mit ihren Glasbildern des Marienlebens

und von zwei Standleuchtern, findet sich das Emailbild des Ortspatrons Georg in der südlichen Wandnische beim Haupteingang in einer vergoldeten Stahlplatte als Passepartout. An der

Nordwand ist das Retabel mit der Gnadenstuhldarstellung von 1877 ohne Mensa platziert, um das Intermezzo des Dreifaltigkeitspatronats zu bekunden. Seitlich von ihm behielt der Opferstock

umfunktionierte spätgotische Säulenfuß seinen angestammten Platz. Es ist auch beabsichtigt, die Kopie des Gnadenbildes vom Sonntagberg in Niederösterreich, das in der Geschichte der

Lindenkirche einst eine Rolle gespielt hatte, im Kirchenraum oder in der Sakristei anzubringen. 

Im Chorbogen hängt mittig eine in vergoldeten Stahlstäben geschaffene Kreuzesdarstellung herab, die aufgrund der nach oben hin aufgebrochenen Kreuzarme und in der aufstrebenden Gestalt

Jesu Christi über dessen Tod hinaus zugleich auf dessen Auferstehung verweist. So wird zudem eine inhaltliche Brücke zur Krönung Mariens, also zu ihrer Teilhabe an der Auferstehung, geschlagen,

die sich im Mittelfenster des Chores erkennen lässt.

An den Seitenwänden haben zwölf in Stahl mit Teilvergoldung gefertigte Wandleuchter für Kerzen ihren Platz gefunden, deren Zahl die Anzahl der Apostel entspricht, die uns Zeugen des Glaubens

sind, in dem wir vertrauensvoll auf den für uns gestorbenen und auferstandenen Christus wie aber auch auf seine Mutter Maria blicken – und das an einem Ort, der von diesem Glauben dank der

Mönche auf dem St. Georgenberg und der Pilger zum St. Georgenberg durchtränkt ist. Das gilt neben der jüngeren Wallfahrtskirche gerade für die Lindenkirche, für die auch ein Lesepult geschaffen,

das in seinem Material und formal dem Altar von 2014 angepasst wurde  und auf dem nunmehr die Heilige Schrift ausliegt. Sobald in ihr seitens der Pilger gelesen wird, entsprechen sie dem

Vorbild Mariens, die vielfach als in der Bibel Lesende oder – so im linkenChorfenster mit der Szene der Verkündigung Mariens zu sehen – auf das Wort Gottes Hörende dargestellt wird.

Dass innerhalb der Umfassungsmauer des Kirchengeländes ehemals ein Friedhof angelegt war, bezeugen die wenigen in der Mauer eingemauerten Grabsteine und die noch

erhaltenen schmiedeeisernen Grabkreuze außen an der Südwand der Lindenkirche.

Mit meiner Raumkonzeption und den Entwürfen zur Ausstattung von 2016 /19 mit Ihrer Verwirklichung 2019 habe ich versucht, die Geschichte der Lindenkirche und ihre

Bedeutung für die Frömmigkeit über etwa 800 Jahre aufzugreifen und in aller

Schlichtheit einen Raum entstehen zu lassen, dessen Sakralität spürbar werden lässt und das spirituelle Erbe aktualisiert. Für das diesbezüglich mir entgegengebrachte

Vertrauen danke ich  dem Missionsbenediktinerkonvent von St. Georgenberg mit seinem Prior Administrator P. Raphael Klaus Gebauer OSB von ganzem Herzen. Dank ihres Auftrages

wurde die Lindenkirche für mich einbesonderer Ort mit mich bewegendem spirituellen Stellenwert in meinem Innern.

 

                                                                                 Domkapitular em. Dr. Jürgen Lenssen, Würzburg 

 

In der Lindenkirche kann täglich 

von 8.00 Uhr bis 17.00 Uhr 

gebetet, meditiert und besichtigt werden.

Hl. Messen oder Pilgergottesdienste mögen bitte mit dem Wallfahrtspater

P. Raphael Klaus Gebauer OSB

abgesprochen werden.

Vom 1. Oktober bis 1.November 2019

bist Du / sind Sie zur Mitfeier der Hl. Messe 

um 15.00 Uhr herzlichst eingeladen.

  1. Raphael Klaus Gebauer OSB

Prior Administrator und Wallfahrtspater